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Rabanal, auf dem Weg nach Santiago

    
Im 5. Buch des Codex Calixtinus finden wir im 2. Kapitel die Beschreibung einiger Etappen des Pilgerweges nach Santiago. Dort heißt es über Rabanal, dass sich der Ort am Übergang von der neunten (León) zur zehnten Etappe (Villafranca) befindet. Im 3. Kapitel „Über die Ortsnamen der Dörfer am camino“ wird Rabanal der Beiname Cativo gegeben. Eine Übersetzung aus dem Jahre 1951 leitet diesen Namen aus dem Galicischen cativo (klein) ab, so dass Rabanal del Camino früher wahrscheinlich „Klein-Rabanal“ hieß und sich damit von der Ortschaft „Alt-Rabanal“ (Rabanal Viejo) unterschied.

    
Der Ortsname erscheint bereits 100 Jahre vor dem Entstehen des Codex Calixtinus. Aus dem Jahre 1028 findet sich ein Eintrag in den Archiven der Kathedrale von Astorga, welcher einen Ort namens Rabanalles erwähnt, der mit den heutigen Rabanal del Camino und Rabanal Viejo identisch sein dürfte.

    Eine weitere Erwähnung stammt aus dem Jahr 1168. Der Bischof von Astorga kaufte Salvador Michaelez und dessen Frau ein Haus in Rabanal ab. Dieses sollte später den Prälaten aus Astorga dienen. Die Einwohner verpflichteten sich damals, dem Bischof keine weiteren finanziellen Forderungen mehr zu stellen.

    
Aus der mittelalterlichen Geschichtsschreibung sind zwei weitere Daten von Interesse. Im Jahr 1169 wurde dem Ort durch König Ferdinand II. besondere Eigenrechte verliehen.

    Die Existenz einer Niederlassung des Templerordens in Rabanal -  wahrscheinlich seit Mitte des 12. Jahrhunderts - wird im Jahr 1218 bestätigt. König Alfons IX. musste einen Rechtstreit zwischen den Templern Rabanals und den Benediktinern von San Pedro de los Montes schlichten. Im Urteil wird Diego Manso erwähnt, der Obere der Templer-Niederlassungen in Rabanal und Ponferrada, die deshalb zusammengehörten.

    
Wie auch immer, die geschichtliche Einbindung Rabanals in den Pilgerweg nach Santiago ist eine nachweisbare Tatsache. Seine damalige Bedeutung lässt sich auch vom städtischen Charakter des Ortsbildes ablesen, besonders an der Calle Real.

    Auch in zahlreichen Pilgerberichten wird Rabanal immer wieder erwähnt. So schreibt Domenico Laffi aus Bologna: Als wir Astorga verließen, machten wir uns auf den Weg nach  Ravanella, etwa 5 Meilen entfernt. Bevor wir dort ankamen, mussten wir zwei oder drei kleinere Territorien durchqueren. Ravanella, auch Raboncilla genannt, liegt in Mitten einer äußerst fruchtbaren Hügellandschaft. Dort verbrachten wir die Nacht, um am anderen Tag das anstehende Gebirge zu bewältigen.

    Bedingt durch den wachsenden Handel erreichte Rabanal im 18. Jahrhundert erneut eine wirtschaftliche Blütezeit. Anfang des 19. Jahrhunderts erschütterte die Belagerung der napoleonischen Truppen die Ortschaft Rabanal und die benachbarte Stadt Astorga.

    
Die abnehmende Zahl der Pilger während des 19. Jahrhunderts und die Tatsache, dass die moderne Strassen- und Zugverbindung von Astorga nach Ponferrada nicht über den traditionellen Weg Monte Irago, sondern über Puerto del Manzanal ausgebaut wurde, führte schließlich zur endgültigen Verarmung Rabanals.

    Die Enzyklopädie Espasa-Calpe aus Jahr 1923 beschreibt Rabanal als Gemeinde der Provinz León, welche aus 1107 Häusern und Herbergen besteht und – gemäß der Volkszählung von 1910 – über 1702 Einwohner hat. Die Gemeinde Rabanal besteht aus 10 Ortsteilen, wobei Rabanal selber 157 Gebäude und 265 Einwohner aufweist. Der Boden ist hügelig. Man züchtet Vieh und produziert hauptsächlich Roggen und Kartoffeln. Schließlich erwähnt die Enzyklopädie noch, dass Rabanal über eine Schule verfügt.

    Die Entwicklung im 20. Jahrhundert war ebenso wenig positiv.
Eine starke Abwanderungswelle
reduzierte die Bevölkerung auf 30 Einwohner. Einzig das erneute Aufblühen des Pilgerweges nach Santiago konnte dieser Tendenz entgegenwirken – eine Tatsache, die an die Ursprünge Rabanals erinnert. Heute haben sich im Dorf verschiedenen Institutionen niedergelassen, wie das Kloster Monte Irago, die Confraternity of St. James, sowie mehrere Hotels und Gaststätten.