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Das Gebet: Der Atem des Pilgers

    
Das liturgische Gebet ist das Herz der Kirche. So prägt auch sein Rhythmus das Leben des Klosters. 

    
Am frühen Abend, nach einer verdienten Erholung, beten wir ins unserer romanischen Kirche Nuestra Señora um 19.00 Uhr das kirchlichen Abendlob, die Vesper. Mit ihren Hymnen und Psalmen sagen wir Gott am Ende des Arbeitstages Dank für alles, was wir heute aus seiner Hand empfangen haben. Gleichzeitig danken wir ihm für das größte Geschenk: seinen Sohn, der am Kreuz gestorben ist. Die etwa dreißigminütige Vesper singen wir gemäß der gregorianischen Tradition in Latein. Damit die anwesenden Pilger aktiv daran Teil nehmen können, liegen entsprechende Übersetzungen auf Spanisch, Englisch, Französisch und Deutsch bereit.

    
Nach dem Gesang der Vesper besteht die Möglichkeit, das Sakrament der Versöhnung zu empfangen. Das Eingeständnis der persönlichen Schuld und die Absolution der Kirche erinnern an das Gleichnis vom verlorenen Sohn, der sein Vaterhaus verlässt und scheitert. Er kehrt bereuend zurück und wird vom Vater liebevoll umarmt. Auch unser Leben gleicht dem eines verlorenen Sohnes, der immer wieder neu den Weg zum erbarmenden und verzeihenden Vater antreten darf.

    
Am Ende des Tages und vor der Nachtruhe empfiehlt sich die ganze Kirche erneut dem Herrn an. Das kirchliche Nachtgebet, die Komplet, beginnt um 21.30 Uhr, wiederum gesungen. Am Ende wird den Anwesenden der Pilgersegen gespendet, dessen Text aus dem Mittelalter stammt und in dieser Form nur für den Weg nach Santiago überliefert ist. Der Gesang des Salve Regina beschließt schließlich den Tag.

    
Bei Tagesanbruch beten wir die Laudes, das Morgenlob der Kirche. Dabei können sich die Pilger für den vor ihnen liegenden Aufstieg zum Cruz de Hierro stärken.

    Höhepunkt des Tages ist die Feier der Eucharistie (9.00 Uhr). Der Herr selber gibt sich uns hin in seinem Wort und in den Zeichen von Brot und Wein. Damit will er uns auf unserem irdischen Lebensweg, der uns einmal in die ewige Herrlichkeit Gottes führen wird, stärken und leiten.

    
Das christliche Gebet besteht aus zwei Elementen: der Feier der Liturgie und der persönlichen Zwiesprache mit Gott.  Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten (Mt. 6,6). Aus diesem Grund stehen die Kirchentüren in Rabanal immer offen. Nicht in erster Linie, um den Touristen eine weitere Attraktion zu bieten, sondern, um den zahlreichen Pilgern einige Momente der Zurückgezogenheit und des Schweigens schenken zu können. Unser kleiner Klosterladen bietet genügend spirituelle Literatur, um das persönliche Gebet der Pilger zu inspirieren.

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